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Verlust
"Festhalten entsteht durch zweierlei: dadurch, dass wir versuchen, angenehme Gefühle über ihre natürliche Dauer hinaus zu verlängern oder am liebsten zu verewigen, und dadurch, dass wir versuchen, unangenehme zu verkürzen oder am liebsten abzutöten. So kämpfen wir ständig gegen den natürlichen Fluss der Gefühle."
Safi Nidiaye
Den Verlust eines nahestehenden Menschen zu erleben, kann uns an die Grenzen unserer Möglichkeiten bringen. Ein Gefühl ohnmächtiger Trauer und schwarzer Leere schluckt alle Sonnenstrahlen und ist imstande, uns allen Lebensmut zu rauben.
In solchen Phasen ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass solche Gefühle ein ganz natürlicher Bestandteil der Trauerarbeit sind. Sie sind nicht nur natürlich, sondern auch sehr wichtig für die gesunde Bewältigung eines Verlustes; denn nur wer in der Lage ist, sich dem Verlust und dem allmächtigen Gefühl der Trauer zu stellen, kann sich irgendwann wieder von dem Schmerz lösen und den Verlust akzeptieren lernen. Flucht (durch Medikamente oder Alkohol) oder Verdrängung des Schmerzes verhindern die Trauerarbeit, und verzögern somit die Verarbeitung des Verlustes.
Einen Verlust allein zu verarbeiten ist sehr schwierig, in manchen Fällen sogar unmöglich. Trauernde sollten deshalb nicht zögern, jede Hilfe in Anspruch zu nehmen, die sie bekommen können. So sollten sie sich aktiv an Menschen wenden, mit denen sie über ihren Verlust und die damit zusammenhängenden, belastenden Gefühle sprechen können. Wenn dies nicht durch Familie oder Freunde gewährleistet werden kann, besteht immer auch die Möglichkeit, sich Selbsthilfegruppen anzuschließen oder therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Ein Verlust kann lange schmerzen, keine Trauer gleicht der anderen. Wichtig ist, der Trauer den Raum zu geben, den sie braucht. Trauerarbeit lässt sich nicht beschleunigen. Niemand sollte sich schämen, wenn er seinen Verlust nicht innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens bewältigt hat.
Auch wenn es in der akuten Phase der Trauer schwer zu glauben ist: es gibt ein Leben nach dem Verlust. Wenn die Trauerarbeit beendet ist, ist der geliebte oder vermisste Mensch zwar nicht wieder da, aber wir können seiner wieder liebevoll gedenken, ohne uns durch den Schmerz aller Hoffnung und Lebensfreude berauben zu lassen.


